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Architekten und Fachplaner sind Treuhänder des Auftraggebers. Das ist ihre angestammte Rolle. Es gibt aber auch Kollegen, die sich in dieser Rolle nicht mehr wohlfühlen – weil sie zwischen anspruchsvollen, aber nicht entscheidungsfreudigen Auftraggebern auf der einen Seite und ausführenden Unternehmen, die ihre Marktposition ausspielen (wollen), aufgerieben werden. Wo also Aufwand, Haftungsrisiken und Honorarchancen nicht mehr in einem guten Verhältnis stehen. Diese Kollegen haben die Rolle bzw. Seite gewechselt und sind nun auch als Projektentwickler tätig. Ein überraschender Nebeneffekt: Sie sind damit nicht nur glücklicher, sondern auch ambitionierter geworden.


Jens Rannow: Der Weltretter

Ganz, ganz ehrgeizige Ziele verfolgt Jens Rannow vom Team Rannow aus Ulm: „Architekten können die Welt retten, Sie müssen es nur tun“, schreibt er auf seiner Homepage. Nämlich dann, wenn „wir Architekten nicht nur Planer und Gestalter, sondern auch Vordenker und Visionäre sind“. Weil das Treuhänder-Dasein diese Rolle selten ermöglicht, hat Rannow die Projektentwicklung für sich entdeckt. Ausgangspunkt war das Projekt „Clevere Kita“, mit dem sich Rannow den Auftrag für die Planung und schlüsselfertige Errichtung von zehn in Ulm kurzfristig zu errichtenden Kita-Standorten gesichert hatte. Die Erfahrungen, die er dort sammeln durfte, haben ihn überzeugt:

„Die Reduktion von Schnittstellen im Prozess hat zu einer schnelleren Ausführung und einer in Summe kostengünstigeren Architektur geführt als bei vergleichbaren Kita. Das können wir deshalb sagen, weil wir unser Konzept nochmal als normalen Architektenauftrag mit Einzelvergabe erstellt haben. Zweitens: Seitdem wir eigene Produkte entwickeln, denken wir anders. Wir beschäftigen uns vertieft und im Detail mit Nachhaltigkeit. Wir gehen mittlerweile sogar so weit zu sagen, dass echte Innovation nur bei eigenen Planungen stattfindet. Weil wir beim Denken zunächst erst mal keinen konkreten Bauherrn, sondern einen möglichen Markt oder eine Nutzung vor Augen haben. Das Ziel ist das Ziel und nicht der Weg ist das Ziel. Es geht darum, Projekte nicht als Ergebnis eines Prozesses zu sehen, sondern als Produkt. Also: hin zum Verknüpfen von Planen und Bauen und weg vom prozessualen Denken, wie es die HOAI vorgibt. Ich bin überzeugt: Wenn Fachleute wie wir mehr selber bauen, wird sich unsere gebaute Umwelt sowohl in der Gestaltung als auch in der Innovation schneller verändern.“

 

Heike und Detlef Sommer: Endlich zeigen, dass Planer mit Geld umgehen und Termine einhalten können

Das Berliner Architektenehepaar Heike und Detlef Sommer will nicht gleich die Welt retten. Die Initialzündung, als Projektentwickler tätig zu werden, war aber ähnlich wie bei ihrem Kollegen Jens Rannow, nämlich Unzufriedenheit, so sagen sie es im Interview mit dem Deutschen Architektenblatt:

„Der Anteil von Leistungen unseres Berufsstandes bei Bauvorhaben wird immer geringer. Qualität von Architektur hat immer weniger Bedeutung, vor allem weil die Rolle der Bauherren sich verändert hat.“ Also haben sie den Spieß umgedreht und animieren Kollegen, es ihnen gleich zu tun: Denn „engagierte Architekten in kleinen Büros mit kurzen Wegen, offener Kommunikation, mit großem Interesse an Baukultur können gute Projekte selbst entwickeln. Wir zeigen, dass Architekten bauen und Termine einhalten – und mit Geld umgehen können. Projektentwicklung ist noch mal sehr viel mehr als Architektenplanung. Trotzdem würden wir uns wünschen, dass mehr Architekten diesen Weg gehen oder zumindest erwägen würden, weil Architekten dafür prädestiniert und besser ausgebildet sind als alle anderen Berufe.“

 

Andreas Becher: Endlich gerechte Honorar verdienen

Andreas Becher, freiberuflicher Architekt und Generalplaner aus Berlin, hat eine dritte Antwort auf die Frage, warum er auch Projekte selbst entwickelt: Warum soll ein Planer mit Auftraggebern über meistens noch unauskömmliche Honorare streiten? Seine Erfahrung spricht für sich: „Wenn wir die Einnahmen aus der Projektentwicklung einschließlich des Bauträgergewinns zugrunde legen, wage ich gar nicht, einen solchen Vergleich anzustellen. Dies nicht etwa deshalb, weil ich der Meinung wäre, das Architektenhonorare viel zu hoch seien. Im Klartext: Der Projektentwickler erzielt deutlich höhere Renditen, mit weniger Personal als dies ein Architekt jemals könnte.“

 

Das ungleiche Duo: Wenn ein Tragwerksplaner mit einem Architekten gemeinsame Sache macht

„Der klassische Projektentwickler ist jemand mit einer guten Idee, vielleicht einem Grundstück und meistens ohne Kapital. Dazu muss ich weder Architekt noch Fachplaner sein“. Das antwortete Andreas Becher auf die Frage, ob als Projektentwickler nur Architekten in Frage kämen oder ob sich auch Fachplaner diesen Markt erschließen können? In der Unterfränkischen „Projektentwicklungswelt“ hat sich gezeigt, dass das ganze sogar funktionieren kann, wenn sich ein Fachplaner mit einem Architekten zusammentut. So passiert bei der Würzburger Breunig + Waldbröl Projektentwicklung GmbH & Co. KG, in der sich der Tragwerksplaner Hans Reiner Waldbröl und der Architekt Roland Breunig zusammengetan haben.

Hans-Reiner Waldbröl führte jahrzehntelang mit seinem Partner Wolfgang Schleinkofer ein um die 15-Mann-starkes Büro für Tragwerksplanung und entdeckte im Laufe der Zeit sein Faible für die Projektentwicklung. Das ist jetzt sein alleiniges Standbein, während Roland Breunig mit Archicult in Würzburg noch ein eigenes Architekturbüro betreibt. Beide Inhaber sind „Macher“ im Wortsinne und zeigen, dass Planer in jeglicher beruflicher Ausrichtung erfolgreich sein können. Man muss es nur mit Überzeugung, Begeisterung, Durchhaltevermögen und Professionalität machen.

 

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